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Bad Schmiedeberg

-von der Garnisonsstadt zum bedeutenden Heilbad

 

Nach ihrem Alter befragt, bekennt Bad Schmiedeberg runde 650 Jahre. Bevor die Stadt Stadt wurde, war sie eine flämische Kolonistensiedlung, um 1150 zwischen zwei slawischen Siedlungen angelegt, mit Hauptstraße, Anger und Kirche.

Die Flamen verstanden etwas vom Mühlenbau, von der Tuchmacherei und vor allem vom Bierbrauen. Das Braugewerbe war noch Jahrhunderte später eine beträchtliche Einnahmequelle der Stadt.

1570 gönnte sich die selbstbewusste Bürgerschaft ein neues Rathaus, das „an Glanz und Pracht nicht seinesgleichen im Kurkreis“ finden sollte. Der schöne Renaissancebau hat die Zeiten überdauert, auch das Au-Tor von 1490. Die evangelische Stadtkirche von 1454, in der 1528 Martin Luther predigte und in der der tote Schwedenkönig Gustav Adolf 1632 aufgebahrt lag, wurde im Dreißigjährigen Krieg zerstört. Ihr Wiederaufbau dauerte mehr als drei Jahrzehnte. Von den prächtigen Bürgerhäusern blieben einige Portale und Tore erhalten.

Seit 1700 war Schmiedeberg Garnisonsstadt, erst kursächsisch, dann preußisch. Alle lebten mit und von der Garnison, bis Kaiser Wilhelm I. seine Soldaten nach Stendal und Tangermünde verlegte.

Am 28. März 1878 zogen die letzten Dragoner ab.

Man besann sich auf die Moorlagerstätten am Stadtrand, schaute sich die Hinterlassenschaften der Garnison an und stellte fest, dass aus alledem etwas zu machen sei. Moorerde als natürliches Heilmittel zu nutzen, lag im Trend der Zeit. Das gepflegte Städtchen mit dem schönen Stadtpark war idyllisch gelegen. Die anmutige Landschaft, die saubere Luft, das bekömmliche Klima sprachen für sich selbst.

Am 28.April 1878 beschloss der Magistrat die „provisorische Einrichtung eines Moorbades aus städtischen Mitteln“. Zwei Zinkwannen wurden im eilends hergerichteten Garnisonslazarett aufgestellt, man ließ Moor anfahren und empfahl Schmiedeberg am 11. Mai in der Magdeburgischen Zeitung per Annonce als Sommerfrische, Kurbad und Pensionsstadt.

Mit überwältigendem Erfolg. Die ersten Fuhren Moor waren schnell verbraucht. Kapazitäten der Wissenschaft bescheinigten wenig später dem Bad Schmiedeberger Moor einen außerordentlich hohen Gehalt an Eisen und anderen mineralischen Wirkstoffen.

Eine faszinierende Entwicklung.

Eine private Aktiengesellschaft gründete Ende des 19. Jahrhunderts das „Kaiserbad“, zu Ehren Wilhelm II. so genannt. Es umwarb gut betuchte Beamte und Pensionäre mit glänzenden Heilerfolgen des Bad Schmiedeberger Moores, mit der Eleganz seines Hauses und dem reichen Angebot an Musik und Unterhaltung.

Die Stadt zog nach und ließ ein neues Kurhaus bauen. Den Auftrag erhielt der Leipziger Architekt E. Arthur Hänsch. Mit dem 1907/1908 eröffneten ausdrucksvollen Jugendstilbau gewann das Gelände zwischen Kurpark und Stadtkern den großzügigen Charakter, der der alten Stadt so gut zu Gesicht steht. Mit schönem Eigensinn haben die Stadtväter seither darauf gesehen, das Flair des Kurzentrums am Schwanenteich zu erhalten und spätere Bauwerke behutsam einzupassen.

Die beiden Weltkriege überlebte die Stadt äußerlich unbeschadet. Ab 1961 gehörten alle Kurbäder der DDR – so auch Bad Schmiedeberg – zum staatlichen Gesundheits- und Sozialwesen und wurden aus dem Staatshaushalt finanziert. In den siebziger und achtziger Jahren war Bad Schmiedeberg für die Großstädte ringsum der Erholungs- und Ferienort in der Dübener Heide und hatte neben Urlaubern konstant 6.000 Kurgäste im Jahr.

In den letzten fünfundzwanzig Jahren wurde in Bad Schmiedeberg so viel gebaut wie nie zuvor. Vor allem aber sind es die Kurbauten, die auf sich aufmerksam machen. Referenz an die Tradition: die Eisenmoorbad Bad Schmiedeberg-Kur GmbH restaurierte das Wahrzeichen der Stadt, das Jugendstilkurhaus. Investition in die Zukunft: eine neue Rehabilitationsklinik für Orthopädie und Gynäkologie entstand, als erste von vielen modernen Kurbauten. Die damalige Bundesversicherungsanstalt für Angestellte errichtete eine eigene Klinik im Süden des Kurzentrums, die Rehabilitationsklinik „Dübener Heide“. Kurz vor der Jahrtausendwende eröffnete die Kur-GmbH das neue Kurmittelhaus am Schwanenteich und danach die Kurklinik Eisenmoorbad. Die Trinktempel, die gläserne Moorküche im restaurierten Kurpark, Seniorenheime, zwei große Parkplätze und die neue Kurgärtnerei säumen das Kurzentrum. Mit der Eröffnung des Kneipptherapiezentrums 2007 erhielt die Stadt die staatliche Anerkennung als Kneippheilbad. Als Moor-, Mineral- und Kneippheilbad bestätigt Bad Schmiedeberg mit dieser seltenen dreifachen Prädikatisierung seine Position unter den führenden deutschen und mitteleuropäischen Heilbädern.

Die Stadt im Herzen Mitteldeutschlands ist ein urbanes Schmuckstück im waldreichen Naturpark Dübener Heide. Sie war immer ein Anziehungspunkt in der weiträumigen und großzügigen Landschaft, ohne jemals ein regionales Zentrum von Rang gewesen zu sein, liegt fernab der großen alten Handelsstraßen und modernen Verkehrslinien, ist aber gut und bequem zu erreichen.

Bad Schmiedeberg hat den Charme einer deutschen Kleinstadt bewahrt und ist dabei wohltuend modern. Heimattümelndes Pathos liegt ihr nicht, aber auf Traditionen ist sie stolz. Sie pflegt das Flair eines anspruchsvollen Kurbades und verzichtet auf modisch mondänen Anstrich.

Ihre Kureinrichtungen waren und sind in Qualität und Leistung stets auf der Höhe der Zeit – und ihr oft ein Stück voraus. Hier gibt es noch die heile Welt: Leben im Einklang mit der Natur, Tourismus der sanften Art, Gesundung und Erholung mit natürlichen Heilkräften und moderner Medizin. Und ringsum Wald, dichter Wald, lichter Wald, Wiesen, Weiden, Moore, Biber. Bad Schmiedeberg ist Teil dieser unverbrauchten Landschaft.

Klaus Linke